KurzPosition: Degressiv Abschreiben erleichtert auch Digitalisierung

Automation - Platine - Körber

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau rüstet die ganze Welt erfolgreich mit Investitionsgütern aus, gleichzeitig droht die Modernisierung ausgerechnet hierzulande mangels Investitionen zurückzufallen. Das ist schon deshalb fatal, weil der Anteil digitaler Komponenten stetig steigt. Um der Investitionszurückhaltung zu begegnen, bedarf es eines echten Anreizes für mehr Investitionen. Kurz: Es ist Zeit für eine dauerhafte Wiedereinführung der degressiven Abschreibung.

Fortschritt braucht Investitionen

Die Zeiträume, in welchen Maschinen ihren realen Wert halbieren, werden immer kürzer. Was heute modern ist, ist schon morgen von gestern. Wie schnell damit auch der Wert einer Investition sinkt, ist bekannt: Technische Geräte, noch hervorragend in Schuss, erfüllen schon bald mangels der Möglichkeit einer digitalen Aufrüstung nur noch unvollkommen die gestiegenen Bedarfe. Doch die weit verbreitete Zurückhaltung beim Investieren belegt, dass die Modernisierung und Digitalisierung der deutschen Industrie kein Selbstläufer ist.

Investitionsklima verbessern

Weil in Deutschland seit Jahren zurückhaltend investiert wird, riskiert Deutschland seine gute Wettbewerbsposition. Die schwache private Investitionstätigkeit in Deutschland zeigt, dass die Risiken von Investitionen in teils neue Geschäftsmodelle als zu hoch bewertet werden. Die Politik kann dies direkt beeinflussen und einen Modernisierungs- und damit Digitalisierungsschub der deutschen Industrie auslösen, indem sie steuerliche Abschreibungsregeln adäquat zum Risiko und zum Werteverzehr einer Investition gestaltet.

Dauerhaft degressiv abschreiben

Ein deutliches Signal an Unternehmer, dass sich die Politik um die besonderen Risiken einer Investition gerade in deren Anfangsphase bewusst ist, wäre eine dauerhafte degressive Abschreibung, die den tatsächlichen Wertverlust einer Investition korrekt abbildet. Anders als die lineare Abschreibung verteilt die degressive Abschreibung die Kosten einer Investition realistischer über unterschiedliche Phasen der Nutzung. Zudem gibt sie den Unternehmen schneller dringend notwendige Liquidität für neue Investitionen zurück. Das ist besonders wichtig für Projekte, deren wirtschaftlicher und strategischer Erfolg nicht hinreichend genau absehbar ist, da sie herkömmliche Geschäftsmodelle auf den Kopf stellen – ein Attribut, das neben der Digitalisierung auch die Mobilitäts- oder Energiewende mit sich bringt.

 

KurzZahl

Wussten Sie, dass laut Bundesamt für Statistik die deutschen Ausrüstungsinvestitionen für das Jahr 2016 preisbereinigt unter dem Niveau von 2008 lagen?

Viel mehr als Konjunkturprogramm

In den ersten beiden Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise war die Suche nach stabilisierenden Maßnahmen für die deutsche Industrie ebenso virulent wie erfolgreich. Die erst 2008 abgeschaffte degressive Absetzung für Abnutzung (AfA), so der steuerrechtliche Name der Abschreibungsmethode, wurde temporär für die Jahre 2009 und 2010 als konjunktureller Stabilitätsanker genutzt. Mit Erfolg! Doch auch unter Wachstumsaspekten macht diese Maßnahme Sinn: Denn eine dauerhafte Wiedereinführung der degressiven Abschreibung gibt den Unternehmen nicht nur Planungssicherheit und Verlässlichkeit, sondern sie schafft Raum für Neues, Wachstum und damit dauerhaft wettbewerbsfähige Arbeitsplätze.

Ausgeglichenen Haushalt im Blick

Klar ist: Die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung führt unmittelbar zu einem Einnahmenverlust des Staates. Auf Dauer sind lineare und degressive Abschreibung aber immer fiskalisch neutral, denn die jährlichen Abschreibungen eines Investitionsguts summieren sich am Ende auf 100 Prozent der ursprünglichen Ausgaben. Und von der verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen als Steuerzahler profitiert schließlich auch der Staatshaushalt.

Fazit

Angemessene Abschreibungsregeln sind die Grundlage für Investitionen und damit für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie, insbesondere in einer digitalisierten Wirtschaft. Vor allem verlässliche, attraktive Investitionsbedingungen ziehen Investoren an, die wiederum für Wachstum, Beschäftigung und damit Einkommen sorgen.

Kontakt

Ulrich Meißner, VDMA Steuern
Telefon +49 69 6603-1391, E-Mail ulrich.meissner@vdma.org

Boris Greifeneder, VDMA Hauptstadtbüro
Telefon +49 30 306946-15, E-Mail boris.greifeneder@vdma.org

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