VDMA: Fachkräftestrategie der Regierung ist unzureichend

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VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann fordert von der Koalition ein nachhaltiges Gesamtkonzept zur Fachkräftesicherung. Ihre Vorschläge, die auf einem Treffen mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern vorgestellt werden, hält er für unzureichend.

Nach Ansicht des VDMA-Hauptgeschäftsführers enthalten die Vorschläge der Bundesregierung ein "Sammelsurium von Ad-hoc-Maßnahmen", die bei der Fachkräftesicherung nicht wirklich helfen, zum Teil sogar kontraproduktiv sind. Seine Kritik umfasst im einzelnen folgende Punkte:

• Bislang hat die Politik es vor allem versäumt, unser Bildungssystem so auszustatten, dass es mit der rasanten technologischen Entwicklung Schritt halten kann. So haben Technik und Naturwissenschaften immer noch nicht den Stellenwert in den Lehrplänen, der in einer modernen Industrienation selbstverständlich sein müsste. Der Zustand von Schulen, Berufsschulen und Universitäten ist beklagenswert. Hier ist der öffentliche Investor gefordert.

• Statt durch erhöhtes Elterngeld und Brückenteilzeit die Fachkräfte zu animieren, ihre Arbeitszeit vorübergehend zu reduzieren oder zeitweilig ganz aus dem Arbeitsprozess auszusteigen, muss der Staat für eine ausreichende Zahl von Kita- und Pflegeplätzen sorgen. Nur so lassen sich tatsächlich Beruf und Familie miteinander vereinbaren.

• Bei der Weiterbildung sind in erster Linie die Unternehmen und Beschäftigten gefordert. Betriebsferne, staatlich gesteuerte Lösungen nützen nur einer Weiterbildungsindustrie, aber nicht der Industrie. Weiterbildungsmaßnahmen müssen daher eng an der unternehmerischen Praxis ausgerichtet sein.

• Das seit langem angekündigte Einwanderungsgesetz ist überfällig. Wir erwarten von der Bundesregierung, dass das Gesetz die Einwanderung qualifizierter Personen möglichst unbürokratisch und unideologisch regelt. Wir wissen aber auch, dass durch das Einwanderungsgesetz alleine keine ausländischen Fachkräfte gewonnen werden können. Deutschland ist nicht das einzige Land, das Fachkräfte braucht. Der Wettbewerb um die besten Köpfe beginnt mit dem neuen Gesetz erst. Politik und Wirtschaft müssen daher eine Marketingstrategie entwickeln, wie die ausländischen Fachkräfte, die wir dringend brauchen, erfolgreich angesprochen werden können.

• Ferner macht sich die Bundesregierung die Forderung der Gewerkschaften nach Ausweitung der Mitbestimmung unkritisch zu eigen. Sie hilft bei der Fachkräftesicherung ebenso wenig wie die einseitige Forderung nach mehr Flexibilität für die Beschäftigten.