Industrie erwartet Kurzarbeit – Maschinenbau optimistischer

Das Instrument der Kurzarbeit ist ein beliebtes Mittel in konjunkturell schwächeren Zeiten. Nicht nur die Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit, sondern auch der ifo Konjunkturtest zeigen, dass die Situation angespannt ist und die Unternehmen über die Einsetzung von Kurzarbeit nachdenken. Aber der Maschinenbau ist bisher noch etwas optimistischer als der Fahrzeugbau und einige Konsumgüterbranchen. Zudem wurde im Jahr 2018 im Maschinenbau sehr wenig Kurzarbeitergelder ausgezahlt.

Nicht vergessen werden sollte, dass das Niveau der Kurzarbeiter über die letzten Jahre hinweg stabil geblieben war. Die gesamte Wirtschaft profitierte 2017 von wenigen Kurzarbeitern – der niedrigste Stand seit der Finanzkrise. Für 2018 ist ein leichter Anstieg zu erkennen. Insgesamt wurden wieder 3,6 Prozent mehr Kurzarbeiter gemeldet als im Vorjahr.

 

Kurzarbeit als Frühindikator

Im April 2019 wurden laut Hochrechnung 44 000 Kurzarbeiter bezahlt – im Vorjahresvergleich sind das 30 Prozent mehr. Der voraussichtliche Arbeitsausfall muss der Bundesagentur für Arbeit bereits vorab gemeldet werden. Daher dient die Anzeige als Frühindikator für die zukünftige Inanspruchnahme der Kurzarbeit.[1] Für Juni 2019 wurde von 833 Unternehmen eine Inanspruchnahme angezeigt, betroffen wären knapp 17 000 Beschäftigte. Im Vergleich zum Vorjahr sind dies 3-mal so viele gemeldete Personen. Der Vergleich zum Vorjahr ist jedoch aufgrund des damals sehr niedrigen Niveaus mit Vorsicht zu bewerten.

Zwischen den Daten des ifo-Instituts (Erwartungen der Kurzarbeit) und denen der Bundesagentur für Arbeit (realisierte Kurzarbeit) besteht ein starker statistischer Zusammenhang[2]. Die aktuellsten Zahlen für die realisierte Kurzarbeit liegen für Dezember 2018 vor. Damals bekamen fast 26 000 Beschäftigte des Verarbeitenden Gewerbes Kurzarbeitergeld. Beim Vergleich mit den Erwartungen der Unternehmen in den nächsten 3 Monaten, ist zwar ein deutlicher Anstieg anzunehmen, jedoch ist insgesamt die Situation nicht unbekannt. Die angezeigte Personenanzahl liegt zumeist über der realisierten Anzahl. So lag der Jahresdurchschnitt im Jahr 2013 bei 190.000 Kurzarbeitern obwohl sich die Personenzahl in Anzeigen auf 588 000 belief.

2018: Maschinenbau mit sehr niedrigem Kurzarbeiterstand

Im Maschinenbau ist weiterhin ein Rückgang der Kurzarbeit zu verzeichnen, nur 1 931 Personen waren von Kurzarbeit betroffen. Damit ist der niedrigste Stand seit Jahren erreicht.

Insgesamt zahlten 146 Betriebe Kurzarbeitergeld, wobei die Phase für mehr als die Hälfte der Betriebe weniger als 6 Monate dauerte. Für mehr als die Hälfte der betroffenen Kurzarbeiter dauerte diese Phase nur bis zu 3 Monaten. In Vollzeitäquivalenten gerechnet, beläuft sich der Arbeitsausfall auf knapp über 1 000 Beschäftigte. Weitere Statistiken zu Kurzarbeitern und Fakten zum Thema Arbeitsmarkt können Sie unserer Statistikdatenbank entnehmen (Deutsch – 2 Themen – 6 Arbeitsmarkt – Deutschland).

 

Sorgen um Zunahme von Kurzarbeit steigt

In den Medien wird bisweilen die Sorge um die Zunahme an Kurzarbeit befeuert. Beim Blick auf die Daten des Ifo-Instituts, stellt sich die Situation etwas erholter dar und relativiert die aufkommenden Sorgen. Zwar liegen die Erwartungen zur Kurzarbeit teilweise höher als im gleichen Monat wie bspw. im Jahr 2013, jedoch ist immer zu beachten, dass das Niveau in den letzten Jahren niedrig war. Zusätzlich stellt sich die aktuelle Situation positiver dar, wenn man den Vergleich zur Situation im Jahr 2009 betrachtet.

Nichtsdestotrotz sollte der Vorbote nicht unterschätzt werden. In der Automobilbranche hat sich seit August 2018 eine Anspannung im Bereich der Kurzarbeit breit gemacht. Im November erreichte die Kurzarbeiterzahl mit fast 21 000 Personen dann ihren Höhepunkt. Seitdem hat sich die Lage jedoch wieder etwas beruhigt. Hier driften die Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit und die Erwartungen laut dem ifo-Institut etwas auseinander. Während nochmals ein Anstieg der Kurzarbeit erwartet wird, zeigen die Hochrechnungen der Bundesagentur eher eine Beruhigung nach dem hohen Stand im November 2018 an.

Auch beim Sonstigen Fahrzeugbau sowie in den Kundenbranchen der Maschinenhersteller, wie bspw. Hersteller von Textilien, Kunststoffwaren und anderen Gebrauchsgütern, erwarten einen starken Anstieg der Kurzarbeiter. Zusätzlich zahlen in diesen Branchen bereits einige Unternehmen Kurzarbeitergeld. Eine Delle wird immer wahrscheinlicher, ein Krisenszenarium sollte jedoch nicht herbeigerufen werden.

 

                              

 

 

 

[1] Bundesagentur für Arbeit (2019). Blickpunkt Arbeitsmarkt– Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt (Juni), Nürnberg.

[2] ifo Institut (2019). Industrie erwartet Anstieg der Kurzarbeit (2019). Pressemitteilung: https://www.ifo.de/node/43462.

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