#btw21: Arbeitsmarktpolitik für mehr Beschäftigung

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Der Maschinen- und Anlagenbau steht aufgrund der Digitalisierung und des Klimawandels vor enormen technischen und ökonomischen Herausforderungen. Das hat Konsequenzen für das Personalmanagement: Bei steigendem Fachkräftebedarf benötigen die Unternehmen gleichzeitig mehr Flexibilität für notwendige Transformationsprozesse. Weitere Regulierungen des Arbeitsmarktes, wie sie einige Parteien fordern, drohen allerdings mehr Beschäftigung zu verhindern.

Die Lage nach der Pandemie

Bestimmte monatelang Kurzarbeit das Bild in vielen Unternehmen, steigt mit dem Rückgang der Corona-Fallzahlen und dem folgenden Aufschwung die Nachfrage nach qualifiziertem Personal wieder deutlich an. Laut einer Umfrage unter VDMA-Mitgliedsfirmen von Juni 2021 sieht die Mehrheit der Personalverantwortlichen sogar wieder Engpässe bei allen Beschäftigungsgruppen – mit Ausnahme der Hilfskräfte.

Fachkräfte verzweifelt gesucht

Bei Hochqualifizierten mit akademischem Abschluss sehen 78 Prozent der Befragten Engpässe, bei Fachkräften mit abgeschlossener Ausbildung sogar 82 Prozent. Einen langen Schatten hat die Pandemie auf die Nachwuchssituation geworfen. Für die Unternehmen ist es deutlich schwieriger geworden, geeignete Auszubildende zu finden. Die Bundesagentur für Arbeit meldete im Mai, dass noch über 37.000 Ausbildungsstellen in maschinenbaurelevanten Berufen unbesetzt sind.

Fehlanreize tragen zu Engpässen bei

Politische Fehlanreize wie die sog. Rente mit 63 schränkt das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften zusätzlich ein. Auch die Brückenteilzeit, die die Koalition in der auslaufenden Legislaturperiode eingeführt hat, entzieht Fachkräfte dem Arbeitsmarkt. In den Wahlprogrammen von SPD und Grünen setzt sich diese Linie fort. So will die SPD die Brückenteilzeit ausweiten und „ein Recht auf Weiterbildung und beruflichen Neustart in allen Lebensphasen“ schaffen. Staatlich gefördert sollen sich „alle Erwerbstätigen im Laufe ihres Erwerbslebens“ unabhängig vom Betrieb „auf eigene Initiative“ weiterbilden oder umschulen“ lassen können. Die Grünen wollen mit der „KinderZeit Plus“ das Elterngeld von 14 auf 24 Monate und das Kinderkrankengeld von 10 auf 15 Tage pro Jahr ausweiten. Ein ärztliches Attest soll erst am vierten Tag der Erkrankung erforderlich sein.

Wussten Sie, dass drei von vier Personalverantwortlichen im Maschinenbau damit rechnen, dass sich die Zahl der Beschäftigten in ihrem Unternehmen im Laufe des Jahres erhöht?

Anspruch auf sog. Homeoffice unnötig

Ein Rechtsanspruch auf „Homeoffice“ (richtig: mobiles Arbeiten) würde ebenfalls in die organisatorische Selbstbestimmung der Betriebe eingreifen. Der Arbeitsplatz ist wesentlicher Bestandteil eines jeden Arbeitsvertrages und somit Angelegenheit der Vertragsparteien. Viele Unternehmen haben mit mobilem Arbeiten in der Pandemie durchweg gute Erfahrungen gemacht und wollen es weiterhin anbieten, wenn es betrieblich sinnvoll ist. Eine Gesetzesregelung ist daher überflüssig.

Arbeitszeitrecht modernisieren

Größere Gestaltungsspielräume für Beschäftigte und Betriebe müssen vielmehr das Ziel der notwendigen Reform des starren Arbeitszeitrechts sein. Konkret sollte die gesetzlich fixierte Regel, die eine Ruhezeit von elf Stunden zwischen zwei Arbeitstagen vorschreibt, gelockert werden, zumal wenn sich Beschäftigte ihre Arbeitszeit selbst einteilen können. Die Höchstarbeitszeit sollte nicht pro Tag, sondern pro Woche definiert werden, so wie es die EU-Arbeitszeitrichtlinie vorsieht.

Flexibilität ausweiten

Von der Umstellung der Produktionsprozesse bis hin zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle brauchen die Unternehmen mehr und nicht weniger Flexibilität. Deshalb sollte bei der Zeitarbeit die gesetzliche Überlassungshöchstdauer von 18 auf 24 Monate ausgeweitet werden. Ähnliches gilt für die sachgrundlose Befristung, deren Höchstdauer von zwei auf drei Jahre erhöht werden sollte. Eine Einschränkung von Werkverträgen ist für den Maschinenbau inakzeptabel. Flexible Beschäftigungsformen tragen generell dazu bei, Geringqualifizierten den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Neue rechtliche Hürden verhindern Beschäftigung und tragen zu Dauerarbeitslosigkeit bei. Diese Gefahr besteht: im Februar erreichte erstmals seit Jahren die Zahl der Langzeitarbeitslosen eine Million.

Fazit

Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, neue nachhaltige Technologien – der Maschinenbau ist im Umbruch und damit auch sein Arbeitsmarkt. Fachkräftemangel und eingeschränkte Flexibilität machen es den Unternehmen nicht leicht, ihre gesamtgesellschaftliche Funktion wahrzunehmen. Die künftige Bundesregierung sollte ihnen ihre Aufgabe durch einen Abbau von Regulierungen erleichtern.

 

Kontakt

Holger Wuchold, VDMA-Hauptstadtbüro
Telefon +49 30 306946-19, E-Mail holger.wuchold@vdma.org

Fabian Seus, Leiter VDMA Competence Center Arbeitsmarktpolitik
Telefon +49 69 6603-1350, E-Mail fabian.seus@vdma.org

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